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28.03.2015 | Hubschrauber-Schulung

Eine ungewöhnliche Übungseinheit stand am Samstag bei den Freiwilligen Feuerwehren Villingen und Nonnenroth auf dem Plan: Die Vorbereitung der sicheren Landung eines Rettungshubschraubers. Dazu ging es auf den Flugplatz Reichelsheim, wo gleich mehrere Maschinen der Johanniter Flugrettung stehen.

Eigentlich sieht es nicht kompliziert aus: Der Rettungshubschrauber kommt angeflogen, der Pilot dreht noch eine kleine Runde und landet dann sicher auf der Wiese, dem Sportplatz oder der Landstraße. In Wirklichkeit ist es für die Crew jedoch eine besondere Herausforderung, denn sie landen in der Regel auf für sie bisher unbekanntem Terrain. Trägt der Boden die Maschine oder sinkt das Fahrwerk ein? Sind Stromleitungen, Masten oder Straßenlaternen im Weg? Ist der Abflug auch problemlos möglich?

Diese Fragen gehen Hubschrauberpiloten wie Oswald Rank durch den Kopf, wenn er mit dem Eurocopter Dauphin AS 365 N3 zur Landung ansetzt. Umso besser, wenn die Feuerwehr, die am Boden den Landeplatz absichert und nachts auch ausleuchtet, bescheid weiß, worauf besonders zu achten ist. Zunächst erklärt er die Dimensionen des Hubschraubers: 13,46 Meter lang, 3,21 Meter breit, 3,94 Meter hoch. Die vier Rotoren haben einen Durchmesser von fast 12 Metern – ein Landeplatz sollte in der Regel doppelt so breit sein, wovon der Pilot im Notfall jedoch abweichen kann. Außerdem achtet der Pilot darauf, dass möglichst keine losen Teile vom Abwind der Rotoren aufgewirbelt werden können und dann umherfliegen. „Das wichtigste ist eine wirklich freie Landefläche“, sagt Rank. Hindernisse können Schäden an der Maschine verursachen. Bis 24 Prozent Gefälle darf die Fläche haben – jedoch ist weniger für Start und Landung besser geeignet.

Damit der maximal 4,3 Tonnen schwere Hubschrauber – randvoll getankt wird nur, wenn lange Strecken anstehen, sonst wird unnötiger Ballast vermieden – nicht im Boden versinkt, muss dieser tragfähig sein – eine durchdrängte matschige Wiese scheidet also aus. Sportplätze hingegen sind als Landefläche sehr beliebt – es gibt viel Platz und im Landebereich keine Hindernisse.

Hinzu kommt, dass man sie mit dem Flutlicht auch nachts leicht auszuleuchten kann. Der Idee, dass viel Licht dem Piloten viel hilft, erteilt Rank aber eine Absage. „Wenn man rund herum viele Lichtmasten aufbaut, die alle den Helikopter anstrahlen, ist der Pilot auf den letzten Metern geblendet.“ Autos mit Fernlicht oder ausgefahrene Lichtmasten haben deswegen direkt am Landefeld nichts zu suchen – hinzukommt, dass die Masten vom Wind leicht umgeknickt werden können.

Stattdessen sollten die Scheinwerfer so ausgerichtet sein, dass sie auf den Boden strahlen – schließlich will der Pilot sehen, wo er landet – also genauso wie das Sportplatzflutlicht. Lichtmasten an den Fahrzeugen kann man jedoch nutzen, um im Dunkeln versteckte Hindernisse – etwa Bäume oder Strommasten in der Nähe des Landefeldes anzustrahlen, so dass der Pilot sie leicht erkennt. Hierbei gilt: das Licht sollte von der Landefläche weg strahlen.

Bei der Landung heißt es für die Einsatzkräfte am Boden, Abstand zu halten. Denn der Abwind wirbelt Staub, Kiesel und anderen Unrat auf. „Es gibt leicht Augenverletzungen durch aufwirbelnde Partikel“, warnt der Rettungshubschrauberpilot. Da hilft es, dass Visier am Helm herunterzuklappen. Funken ist in der letzten Minute vor der Landung nicht mehr möglich: Das Geräusch der Maschine übertönt alle Stimmen. Der Landebereich sollte weiträumig abgesperrt sein, so dass weder Fahrzeuge noch Menschen hinein laufen können – auf einer Landstraße hilft es da etwa, jeweils rechts und links ein Feuerwehrfahrzeug quer zu stellen, so dass auch kein Motorrad durchhuschen kann.

Wenn der Helikopter aufgesetzt hat, sollte man niemals auf die Maschine zustürmen, warnt Rank. Denn die Rotorblätter – ein Stück wiegt 42,3 Kilogramm – ziehen bei 360 Umdrehungen pro Minute mit einer Kraft von 22 Tonnen, rechnet der Pilot vor – ein Treffer des Rotors ist tödlich. Als erstes steigt der HCM aus – ein Rettungsassistent, der zusätzlich dafür ausgebildet ist, den Pilot bei Start und Landung zu unterstützen. Erst wenn Haupt- als auch Heckrotor – er stabilisiert die Maschine - still stehen und der HCM das Zeichen gibt, ist das gefahrlose Nähern möglich.

Das Heranfahren mit einem Fahrzeug - egal ob Rettungswagen, Polizei oder Feuerwehr - mögen die Piloten absolut nicht: Zum einen könnte der Fahrer eines der Rotorblätter übersehen – ist dieses beschädigt, kann die Maschine nicht mehr starten. Auch könnte das Fahrzeug im Boden stecken bleiben – und so lange es direkt neben der Maschine steht, könnte diese nicht mehr abheben.

Welche Absicherungsaufgaben kann die Feuerwehr beim gelandeten Helikopter übernehmen? Zum einen kann – auf Anweisung des Piloten – am Ende eines jeden Rotorblattes ein Feuerwehrmann bereit stehen, um herannahende Kräfte auf das Hindernis aufmerksam zu machen. Auch beim Bewachen der Maschine und dem Absichern vor Schaulustigen kommt die Feuerwehr zum Einsatz – denn auch wenn ein Rettungshubschrauber ein spektakulärer Anblick ist, so dient er der Rettung von Menschenleben. Da hat der Pilot dann keine Zeit, Schaulustigen – auch Kindern – die Maschine zu erklären – hierfür sind Schautage oder der Hessentag besser geeignet. Flatterband ist zum Absperren übrigens nicht gerne gesehen: „Es kann leicht zerreißen und dann in die Rotoren geraten“, erklärt Rank.

Nach dem Einladen des Patienten entfernen sich die Rettungskräfte vor Ort sofort vom Helikopter, denn auch beim Start heißt es wieder Abstand halten. Für den Verletzten geht es dann schnell in die Klinik: „Wir sind in einer Stunde 20 Minuten etwa in Berlin“, lächelt Rank. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 325 Stundenkilometer – in der Regel wird aber mit 260 geflogen. Von Reichelsheim nach Aschaffenburg braucht der Rettungshubschrauber 15 Minuten, nach Erlangen sind es 35 Minuten. Während Christoph Gießen 24 Stunden im Einsatz ist, startet Christoph Mittelhessen von 9 bis 21 Uhr – auch bei Dunkelheit. Nur bei Nebel, tiefhängenden Wolken, unterkühltem Regen (nicht gefrorenes Wasser zwischen 0 und 4 Grad, das beim Auftreffen auf die Maschine sofort zu Eis wird) oder Gewitter hebt der Hubschrauber nicht ab – diese bilden mit starken Winden und Blitzen eine zu große Gefahr für Maschine und Crew.

Nach der Übungseinheit und den vielen Erklärungen sind die Feuerwehren Nonnenroth und Villingen nun auf eine Landung des Rettungshubschraubers gut vorbereitet.
Text: Patrick Dehnhardt

IMG 2168

Die Einsatzkräfte der Wehren aus Nonnenroth und Villingen mit dem Piloten Oswald Rank in der Mitte.
(Weitere Bilder in der Foto-Gallery)


 

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